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Science

Melanotan I vs. Melanotan II: enge gegen breite Bindung — und was das vorhersagt

Melanotan I (Afamelanotid) ist ein alpha-MSH-Analogon mit relativer Selektivität für den Melanocortin-1-Rezeptor, den Rezeptor, der die Melanogenese steuert. Melanotan II ist ein nicht-selektives Analogon, das an MC1R, MC3R, MC4R und MC5R aktiv ist — deshalb reichen seine berichteten Wirkungen über die Pigmentierung hinaus bis in Appetit und Sexualfunktion. Diese Breite ist auch der Grund, warum Melanotan II ausdrückliche Sicherheitswarnungen von MHRA und TGA trägt und warum PT-141 daraus entwickelt wurde, indem das Rezeptorprofil wieder eingeengt wurde.

7 Min. lesenAktualisiert 28. Aug. 2026Geprüft von Unabhängiges EU-Labor (ISO/IEC 17025)
Zwei Peptyds-Forschungsvials mit der Beschriftung Melanotan I und Melanotan II, getrennt voneinander auf einer dunklen Steinfläche, jedes in seinem eigenen warmen Lichtkegel
Zwei Peptyds-Forschungsvials mit der Beschriftung Melanotan I und Melanotan II, getrennt voneinander auf einer dunklen Steinfläche, jedes in seinem eigenen warmen Lichtkegel
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  1. 01Die Nummerierung führt in die Irre
  2. 02Was die zusätzlichen Rezeptoren bewirken
  3. 03Die regulatorische Aktenlage ist nicht neutral
  4. 04Handhabung, die für beide gleich ist
  • Melanotan I bindet mit relativer Selektivität an MC1R. Melanotan II bindet an MC1R, MC3R, MC4R und MC5R.
  • Die zusätzlichen Rezeptoren sind der Grund, warum für Melanotan II Wirkungen auf Appetit und Sexualfunktion berichtet werden, die Melanotan I weitgehend nicht zeigt.
  • Sowohl die MHRA als auch die TGA haben öffentliche Warnungen zum nicht zugelassenen Vertrieb von Melanotan II herausgegeben.
  • PT-141 wurde aus Melanotan II entwickelt, indem die Selektivität wiederhergestellt wurde — ein Beleg dafür, dass die Breite als zu lösendes Problem behandelt wurde, nicht als Vorzug.
  • Keines von beiden ist ein Bräunungsprodukt, ein Kosmetikum oder ein Ersatz für Sonnenschutz.

Die hier verglichenen Substanzen

  • Melanotan IForschung zu Melanogenese & Photoprotektion.10 mg€3.90 / mg
  • Melanotan IIEin Melanocortin-Rezeptor-Agonist, untersucht auf seine Wirkung auf Melanogenese, Sexualfunktion und Appetitregulation über die Aktivierung des MC1R–MC4R-Signalwegs.10 mg€3.90 / mgAusverkauft

Die Nummerierung führt in die Irre

Beide stammen vom alpha-Melanozyten-stimulierenden Hormon ab, dem körpereigenen Peptid, das die Melanogenese antreibt. Melanotan I — Afamelanotid — ist ein lineares Analogon mit relativer Selektivität für den Melanocortin-1-Rezeptor, den Rezeptor, der die Pigmentbildung steuert.

Melanotan II ist ein zyklisches Analogon, das über die Melanocortin-Familie hinweg bindet: MC1R, MC3R, MC4R und MC5R. Es ist keine verfeinerte Version von Melanotan I. Es ist eine breitere, und diese Breite ist die ganze Geschichte.

Weiterlesen:PT-141: Vials mit Chargenbericht

Was die zusätzlichen Rezeptoren bewirken

MC4R ist zentral an der Appetitregulation und an den Signalwegen der sexuellen Erregung beteiligt. MC3R trägt zur Energiehomöostase bei. Ihre Bindung ist der Grund, warum für Melanotan II Wirkungen berichtet werden — Appetithemmung, spontane Erektionen, Übelkeit —, die eine vorwiegend an MC1R wirkende Substanz nicht erzeugt.

Der stärkste Beleg dafür, dass diese Breite als Nachteil galt, ist PT-141. Bremelanotid wurde aus Melanotan II entwickelt, indem das Rezeptorprofil in Richtung MC3R und MC4R eingeengt und die Pigmentierungsaktivität aufgegeben wurde — die Promiskuität wurde bewusst rückgängig gemacht statt darauf aufzubauen.

Weiterlesen:PT-141 vs. Melanotan II

Die regulatorische Aktenlage ist nicht neutral

Melanotan II hat ausdrückliche öffentliche Warnungen nationaler Behörden auf sich gezogen. Die MHRA im Vereinigten Königreich und die TGA in Australien haben beide Stellungnahmen zum nicht zugelassenen Vertrieb veröffentlicht und dabei auf die fehlende Sicherheitsbewertung und die Risiken unregulierter Injektionsprodukte für kosmetische Zwecke verwiesen.

Daneben enthält die Literatur Fallberichte über Veränderungen melanozytärer Nävi nach der Anwendung von Melanotan. Die kausale Lage ist nicht geklärt, doch eine Substanz, die Melanozyten stimuliert und ohne dermatologische Begleitung angewendet wird, ist kein neutrales Angebot.

Handhabung, die für beide gleich ist

Beide kommen lyophilisiert an, beide brauchen eine Rekonstitution mit bakteriostatischem Wasser, und bei beiden muss das rekonstituierte Vial gekühlt und innerhalb seines Anwendungsfensters verbraucht werden. Keines verträgt wiederholte Gefrier-Auftau-Zyklen.

Quellen

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Fragen

Worin besteht der tatsächliche Unterschied zwischen Melanotan 1 und 2?

Die Rezeptorselektivität. Melanotan I wirkt mit relativer Selektivität an MC1R, dem Pigmentierungsrezeptor. Melanotan II wirkt an MC1R, MC3R, MC4R und MC5R — deshalb werden dafür Wirkungen auf Appetit und Sexualfunktion berichtet, die Melanotan I weitgehend nicht zeigt.

Ist Melanotan II einfach eine stärkere Version von Melanotan I?

Nein. Es ist ein breiteres, kein stärkeres. Die zusätzlichen Wirkungen entstehen durch die Bindung zusätzlicher Rezeptoren, nicht durch größere Potenz am selben Rezeptor.

Warum wurde PT-141 aus Melanotan II entwickelt?

Indem das Rezeptorprofil in Richtung MC3R und MC4R eingeengt und die Pigmentierungsaktivität aufgegeben wurde. Diese Entwicklungsgeschichte ist selbst ein Beleg dafür, dass die breite Bindung als Problem behandelt wurde, das man wegkonstruiert.

Haben Behörden sich dazu geäußert?

Ja. MHRA und TGA haben beide öffentliche Warnungen zum nicht zugelassenen Vertrieb von Melanotan II herausgegeben und dabei auf die fehlende Sicherheitsbewertung und die Risiken unregulierter Injektionsprodukte für den kosmetischen Gebrauch verwiesen.

Redaktioneller Inhalt. Keine medizinische Beratung.

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